Gespräch mit Galeristin Ninette Mathiessen .

Kunst in Travemünde

Ob sie sich kurz umsehen dürften, fragen zwei Passanten. Natürlich, antwortet Kunstwerkerin Ninette Mathiessen fröhlich, gerne auch länger.

Seit dem Jahre 2011 betreibt Mathiessen die einzige „echte“ Galerie in Travemünde. Mit eigenen Werken, Workshops und wechselnden Künstlern. Dabei gibt es noch viel mehr Kunst im Seebad. „Ich glaube, dass das hier gar nicht so auffällt“, sagt Ninette Mathiessen. Selbst arbeitet sie gern mit der Travemünder Künstlerin Esther Engelin zusammen. Auch mit Michael Weigel gab es schon Projekte, etwa bei der Ausstellung „traveArt“ im Kreuzfahrt-Terminal. Weigel hat lange in Travemünde gelebt, betreibt im Maritim eine Ausstellung mit eigenen Werken.

„Ich bin jetzt im verflixten siebten Jahr“, scherzt Ninette Matthiessen, die Travemündes einzige Galerie mit wechselnden Ausstellungen betreibt. Foto: HELGE NORMANN
„Ich bin jetzt im verflixten siebten Jahr“, scherzt Ninette Matthiessen, die Travemündes einzige Galerie mit wechselnden Ausstellungen betreibt. Foto: HELGE NORMANN

„Ich glaube, dass wir sehr viele interessante Künstler hier im Ort haben“, sagt Ninette Mathiessen und zählt weiter auf. Da sind zum Beispiel Michaela Berning-Tournier und Wolfgang Blockus. „Das sind ja Künstler durch und durch“, sagt Ninette Mathiessen. „Dann haben wir noch Frauke Klatt als internationale Künstlerin“, fährt sie fort. „Und Anja Es, die in Travemünde lebt. Auch wenn sie ihre Galerie in Ostholstein hat.“ Sicher ist die Liste noch nicht komplett. „Ich glaube, dass wir hier sehr viele interessante Künstler haben“, sagt Ninette Mathiessen.

Natürlich holt sie auch viele Künstler von außerhalb ins Seebad: Am vergangenen Sonntag hat sie in der Bertlingstrasse eine neue Ausstellung eröffnet, mit Werken des Norddeutschen Surrealisten Christian Jahns. Der sei Handwerklich ganz stark, schwärmt die Galeristin und vergleicht ihn mit dem weltberühmten belgischen Maler Magritte.

Die Travemünder wissen das Kunst-Angebot zu schätzen, ihr werde immer wieder gesagt, „Oh Gott sei Dank gibt es wenigstens eine Galerie“, berichtet Ninette Mathiessen. „Die Leute schätzen das sehr, auch wenn hier entsprechend Veranstaltungen sind.“ Allerdings: Die Kunstszene in Lübeck sei deutlich stärker. Dann erzählt sie von einem Kunststammtisch in Lübeck mit Kultursenatorin Kathrin Weiher: „Ich kannte die alle überhaupt nicht, die kannten mich aber auch nicht“. Sie hat das Gefühl, dass Lübeck zu weit weg ist.

Immerhin bietet Travemünde aber auch viel Kunst im Freien, etwa die großen Skulpturen der WindArt. Die Veranstaltung hält Ninette Mathiessen für wichtig und richtig, allerdings könne man viel mehr daraus machen, findet sie. „Die dümpelt so vor sich hin“, bedauert die Kunstwerkerin. „Ich denke, dass die WindArt unter dem Tod von Egon Schmitz-Hübsch sehr gelitten hat. Und sein Erbe nicht adäquat vertreten wird“, sagt sie über den Gründer. Grundsätzlich begrüßt sie aber „jede Aktion, die Kunst im öffentlichen Raum zeigt“.

Ausdrücklich begrüßen würde sie eine Bewerbung von ganz Lübeck zur „Kulturhauptstadt“, auch wenn sie die zum jetzigen Zeitpunkt „mutig“ finden würde. „Ich bin mir nicht sicher, ob Lübeck schon so weit ist.“

Und führt als Beispiel das Schicksal von Travemündes kleinem Theater im Hafenbahnhof an, dem die Räumlichkeiten zum Jahresende gekündigt worden sind. „Tatsächlich bin ich der Meinung, dass es eine absolute Schande ist, wenn die Kulturbühne der Stadt und ganz speziell dem Ort Travemünde verloren geht“, sagt Ninette Mathiessen. „Da könnte man ansetzen, um sich mit dem Thema Kulturhauptstadt auseinanderzusetzen.“

Die Bewerbung zur Kulturhauptstadt an sich, das betont sie noch einmal, sieht sie aber positiv: „Ich wünsche mir, dass dadurch ein Ruck in die richtige Richtung durch die Stadt geht. Und sich viele mehr zu diesem Thema engagieren.“

(Hinweis: Dieser Artikel ist in ähnlicher Form zuerst im „Wochenspiegel Lübeck Travemünde“, Ausgabe vom 25.10.2017, erschienen)

Mitreden? Liberaler Stammtisch zum Thema Kultur

Wer zum Thema Kultur in Travemünde mitdiskutieren möchte, kann jetzt den „Liberalen Stammtisch“ besuchen, zu welchem regelmäßig die Lübecker FDP einlädt. Diesmal unter dem Motto „Kultur in Travemünde – das kulturelle Leben abseits der Großveranstaltungen“. Als Gäste sind Galeristin Ninette Mathiessen, der Geschäftsführer der Kulturbühne Travemünde Wolfgang Hovestädt sowie der 1. Vorsitzender des Vereins „Kunst und Kultur zu Travemünde e.V.“ und WindArt-Verantwortliche Uwe Hildebrandt geladen. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 1. November 2017, um 17:00 Uhr im Obergeschoss des „Kleinen Winkler“ (Vorderreihe 22) statt.